Wiedergeburt des epimetheischen Menschen Teil 1

Mythos der Pandora

Zeus will Rache an Prometheus üben, da dieser ihm sein Feuer gestohlen hat. Es wird angeordnet ein Trugbild einer schönen Jungfrau zu erschaffen, die alle Reize an sich hat. Sie wird mit vielen Gaben, wie musikalischem Talent, Schönheit und Liebreiz von den Göttinnen und Göttern ausgestattet und erhält den Namen Pandora (die Allbeschenkte). Pandora erhält von Zeus eine Büchse, in der alle Übel der Welt sich befinden, aber auch die Hoffnung.

Sie wird zu Epimetheus, dem Bruder des Prometheus, gebracht. Dieser heiratet Pandora trotz der Mahnung seines Bruders, keine Geschenke des Zeus anzunehmen. Pandora öffnet die Büchse und es geschieht, dass alle Plagen in die Welt kommen. Bevor jedoch die Hoffnung entweichen konnte schloss Pandora die Büchse.

Prometheus betrog die Götter um ihr Monopol des Feuers, lehrte die Menschen es beim Schmieden des Eisens zu verwenden. Er wurde der Gott der Techniker und endete in eisernen Ketten.

 

Von den entwichenen Übel zu den Institutionen

Der Mensch fing an Institutionen zu schaffen, um darin jedes einzelne der sich ausbreitenden Übel einzupferchen und zu meistern. Er fing an sich seiner Macht bewusst zu werden, die Welt nach seinen Bedürfnissen zu gestalten. So machte er sich und seinen Kindern die Welt als dienstleistenden Produktionsmaschine zu Untertan. Nur diejenigen, die sich durch Bildung in die von ihrem Vorfahren geplanten Institutionen einfügen ließen, galten als wahre Menschen und Mitbürger.

Als Prometheus das Feuer stahl, verwandelte er Tatsachen in Probleme. Der zuvor noch primitive Mensch wurde vom Schicksal regiert und nun bot er diesem Trotz. Er trotzt der Umwelt und Natur, gestaltet sie nach seinem Ebenbild und merkt dabei nicht, dass er sich selber ständig umgestalten und anpassen muss.

Ein Kind, das in New York aufwächst wird nie mit irgendetwas in Berührung kommen, das nicht von einer Institution produziert wurde. Sogar seine Ängste und Wünsche werden institutionell gestaltet. Selbst das Lernen wird als Konsum von Themen definiert, die das Ergebnis eines auf Forschung und Planung beruhenden Programms sind.

Um welche Ware es sich handeln mag, sie ist das Produkt einer spezialisierten Institution. Das New Yorker Stadtkind wird nur mit der Begegnung von Ungeplantem, wie einer Pfütze oder maschinellem Versagen, seine Phantasie entfalten.

Da alles Erstrebenswerte planbar ist, könnte man schlussfolgern, dass der Mensch immer imstande sein wird für alles, was er bedarf, eine Institution zu erschaffen.

Der Mensch, der weiß, dass alles wofür Nachfrage besteht auch produziert wird, hält bald nicht mehr für möglich, dass für ein Produkt keine Nachfrage bestehen kann.

Der Mensch hat die frustrierende Macht entwickelt, alles zu verlangen, weil er sich nicht etwas vorstellen kann, was eine Institution nicht für ihn tun könnte.

Von allmächtigen Werkzeugen umgeben, ist der Mensch nur noch ein Werkzeug seiner Werkzeuge.

Jede der Institutionen, die eines der urzeitlichen Übel austreiben sollte, ist zu einem selbstschließenden Sarg für den Menschen geworden. Der Mensch sitzt gefangen in den Kasten, die er als Behälter für die Übel geschaffen hat, die Pandora entweichen ließ.

 

Reductio ad absurdum: Institution

Die neue Macht des Menschen ist eine ständige Mahnung, dass unsere Institutionen sich nicht nur ihre Zwecke, sondern auch die Macht haben, mit sich selbst und uns Schluss zu machen. Wie absurd moderne Institutionen sind, zeigt sich deutlich am Beispiel des Militärs. Moderne Waffen können Freizeit, Zivilisation und Leben nur verteidigen, indem sie diese vernichten.

Aber auch nichtmilitärische Institutionen sind von dieser Absurdität nicht ausgeschlossen. Nach Iwan Illich schaffen diese Institutionen Bedürfnisse schneller, als sie Befriedigung schaffen können. Und indem sie die erzeugten Bedürfnisse befriedigen versuchen, beuten sie die Bodenschätze der Erde aus und verderben diese.

Die Grenzen der Reichtümer der Erde sind sichtbar geworden. Kein Durchbruch in Wissenschaft und Technik könnte jedem einzelnen Menschen auf der Welt die Waren verschaffen, die heute in den reichsten Ländern den Armen zur Verfügung stehen. Dafür müsste das Hundertfache der gegenwärtigen Mengen an Eisen, Zinn, Kupfer und Blei gefördert werden.

Bei der Suche nach einer hoffnungsvollen Zukunft produziert die Bekämpfung der Armut nur noch mehr Arme, die technische Entwicklungshilfe mehr Unterentwicklung und Kliniken für Geburtenkontrolle lassen die Bevölkerung anwachsen.

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