Weiterbildung im Spannungsfeld Teil 2

 

Teil 2

Die zwei genannten Finanzierungsmodelle kommen in ihrer Reinform nur selten vor. Es sind eher die Mischfinanzierungssysteme, die in der Weiterbildung üblich sind, aber auch zunehmend private Finanzierung, die durch die Teilnehmer erbracht werden. Ich denke, dass aktuelle Finanzierungsstrukturen die Ungleichheit der Bildungschancen eher erhöhen statt sie zu verringern. Immer mehr private Träger überschwemmen den Markt. Motiv der Betriebe und Einzelpersonen ist meist, einen kommerziellen Nutzen aus den Weiterbildungseinrichtungen zu ziehen. Der Markt wird also noch kleinteiliger, so dass sich die Frage stellt ob man überhaupt noch von einem einheitlichen Weiterbildungssystem reden kann.

Volkshochschulen verpflichten sich jedoch dem Prinzip der Teilnehmerorientierung und verfolgen einen Bildungsauftrag der vor allem kostengünstig angeboten werden soll. Der Staat gerät also fortwährend unter einen ökonomischen Druck, der aus der Konkurrenz der vielen Bildungsangebote entsteht. Auf den Markt muss reagiert werden. Folglich müsste der Staat mehr Mittel generieren, um die Ungleichheit der Bildungschancen möglichst gering zu halten.

In heutigen Berufsverhältnissen wird immer mehr Bildung vom Individuum abverlangt. Wem die Bildungsmöglichkeiten verwehrt bleiben, läuft ständig Gefahr aus dem beruflichen Netz herauszufallen. Wer sich z.B. bereits in guter beruflicher Position befindet, hat sogar gute Chancen auf kostenlose Weiterbildung, während die unter schlechteren Verhältnissen leidenden Person, die kostenfreie Bildung eher verwehrt bleibt. Kursgebühren der Arbeitnehmer werden vom Betrieb teil bis ganz finanziert, da der Betrieb in der Weiterbildung des Personals eine Gewinnmaximierung sieht. Ein erneuter Einstieg in das Arbeitsleben wird also für Personen mit geringem Einkommen und daher mangelnden Weiterbildungsmöglichkeiten erschwert. Die Teilnahme an Weiterbildung unterliegt in dieser Form also einer Qualifikation und ist nicht für Jeden zugänglich.

Fazit:

Ein Spannungsfeld von Staat und Markt kann man also in der Art der Finanzierung von Weiterbildung sehen, die gleichzeitig einen Einfluss auf die Chancengleichheit der Bildungsangebote hat. In diesem Spannungsfeld von Staat und Markt müssen also Lösungen gefunden werden um Bildungschancen gleich zu halten. Weiterbildungskosten sollten nicht zum Problem des Individuums werden und zum Ausschluss von Personengruppen führen.