Was ist Soziologie? Teil 1

Soziologie ist laut Adorno “die Wissenschaft von der Gesellschaft” (Adorno 2003:21). Sie ist keine definierte mannigfaltige Formel, sondern entbehrt jede Art von Kontinuität, da die Gesellschaft in sich selbst widerspruchsvoll ist (vgl. Adorno 2003:17). Deswegen stellt die Wissenschaft, die sich mit der Gesellschaft und gesellschaftlichen Phänomenen und Tatsachen befasst, eben auch in sich keine solche Kontinuiät dar (vgl. Adorno 2003:18). Die Soziologie ist die Einsicht in die Gesellschaft, und somit in das Wesentliche der Gesellschaft. Doch wie lässt sich die Wissenschaft von der Gesellschaft greifbar machen, wenn es doch offensichtlich ist, dass keine Kontinuität vorhanden ist? Lässt sich die Gesellschaft als Formel begreifen? Welche Probleme entstehen bei der Verwissenschaftlichung von Gesellschaft?
Auf diese Thematik werde ich im Folgenden eingehen. Zunächst werde ich den Begriff der Wissenschaft einführen und mich der soziologischen Wissenschaft annähern. Dann gbehandele ich die spezielle Problematik in der soziologischen Arbeit ein, die Methoden, die in der Forschung benutzt werden, sowie die soziologische Forschungsteilung. Zum Schluss gehe ich auf die Ausgangsfrage ein und verbinde die vorher erläuterten Elemente.
Zu Beginn soll erst klar gestellt werden, dass Wissenschaft in verschiedenen Perioden verschieden verstanden wurde. Nun gibt es eine sehr starke Tendez in der Soziologie, die heute natürlich an der allgemeinen Mathematisierungstendenz der Wissenschaft überhaupt ihre Stütze findet. Sie glaubt, dass die Formalisierung ein Allheilmittel gegen das Auseinanderfallen der soziologischen Einzeldisziplinen ist. Folglich hat man eine einheitliche, möglichst mathematische Zeichensprache für die verschiedenen Gebiete zu entwickeln, um auf diese Weise zu einer Einheit zu kommen (vgl. Adorno 2003:109). Man glaubt durch die Formalisierung und den damit eng verbundenen Instrumentalismus objektive Schlüsse ziehen zu können. Doch Phänomene, die anhand der Forschungsinstrumente nicht bemessbar sind, kommen hier zu kurz. Somit muss das Forschungsergebnis mit Sachhaltigkeit bezahlen, was oft außen vor gelassen wird (vgl. Adorno 2003: 113).
Die Soziologie hat selbst in ihrem gegenwärtigen Zustand keine einheitliche Methode, denn die Trennung von Sache und Methode ist in der Soziologie so nicht berechtigt. Zwischen dem Gegenstand der Soziologie, also der Gesellschaft, die aus Menschen besteht und dem erkennenden Subjekt der Soziologie, also den Menschen, die Gesellschaft zu erkennen haben, besteht nicht jene Art der dinghaften Antithesis, wie sie im Bereich der Naturwissenschaften gegeben sein muss. Es kommt darauf an, dass man nicht die Methode absolut setzt gegenüber ihrem Gegenstand. Die Methode der Soziologie muss in einem lebendigen Verhältnis zu diesem Gegenstand stehen und soweit wie möglich aus diesem entwickelt werden (vgl. Adorno 2003:127).
Es ist geradezu das Grundgebot einer vernünftigen soziologischen Fragestellung, dass man versucht, die Methode aus der Sache und aus den sachlichen Interessen heraus zu entwickeln. Das Grundproblem der Soziologie ist das der quantitativen und qualitativen Einsicht. Die quantitative Erkenntnis ist absolut zuverlässig, aber um diese zu erhalten muss man auf die Differenziertheit der Forschungselemente verzichten, welche im Einzelnen produktive Einsichten liefern würden. Während umgekehrt die qualitativen Methoden die fruchtbarsten Dinge aufzeigen, aber auch Gefahr laufen, sich nicht generalisieren zu lassen, da sie vielleicht nur um Einzelfall bestehen können (vgl. Adorno 2003:131 ).
Die Methodologie, die Möglichkeit soziologische Erkenntnisse und zwar auch die Einbeziehung der nicht bereits regulierten Erkenntnisse, also die unregelmäßige Erfahrung, wird dadurch außerordentlich beschnitten und eben diese Verengung durch die Methodologie geht fast immer auf Kosten der Sache selbst.

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