Utilitarismus

Die Frage, ob es allen Moralauffassungen letzten Endes um das menschliche Glück gehen müsse, ist nicht identisch mit der Frage, ob es sich bei allen Moralauffassungen um irgendeine Version des Utilitarismus handelt. Das heißt, dass Utilitarismus von Moralauffassungen abhängig ist, aber umgekehrt keine Bedingung stellt.
Im engsten Sinne versteht man unter Utilitarismus ein einziges moralisches Prinzip, „nämlich das größte Glück der größten Zahl“

1. Demzufolge muss auf jede individuelle Handlungssituation dieses Prinzip angewandt werden, d.h., das menschliche Glück, also das Vorhandensein von Lust und demnach die Abwesenheit von Unlust, gilt immer als Maßstab.
Nur dasjenige Handeln ist richtig, das aufgrund seiner Konsequenzen nützlich ist für das größtmögliche Glück aller von dem Handelnden betroffenen Personen, den Handelnden eingeschlossen sind.

2. Der Utilitarismus will keine Nützlichkeitslehre im Sinne eines Funktionalismus oder Instrumentalismus für beliebige Zwecke sein, denn Handeln wird nur zur Erreichung eines an sich wertvollen Zwecks, nämlich des allgemeinen Glücks, als nützlich angesehen.

3. Smart fast seine Version des Utilitarismus folgendermaßen zusammen: „ Der Handlungsutilitarismus ist diejenige Auffassung, nach der die Richtigkeit oder Falschheit einer Handlung nur von dem vollständigen Gutsein oder Schlechtsein ihrer Konsequenzen abhängt, d. h., von der Wirkung der Handlung auf das Wohlergehen aller menschlichen (oder vielleicht sogar fühlenden) Wesen.

4. Die rationale Art eine Entscheidung für ein Handeln zu treffen, besteht gemäß dem Handlungsutilitarismus darin, die von allen uns verfügbaren Alternativen diejenige auszuwählen (inklusive der Nichthandlung), die vermutlich das Glück oder Wohlergehen der Menschheit (oder vielleicht sogar der fühlenden Wesen) maximiert.

5. Und an einer wiederum anderen Stelle sagt Smart, dass eine solche Konsequenz einer Handlung der „einzige Grund“ wäre, sie und nicht eine ihrer Alternativen auszuführen.

6. Für Smart ist der Wert einer Handlung an den Konsequenzen zu bemessen. Und je nach dem welche Konsequenzen eine Handlung hat, ist sie eine richtige oder eine falsche Handlung.

7. Es kann eine Vielzahl von Möglichkeiten geben, wie es einer Moral um das menschliche Glück gehen kann, ohne dass sie mit dieser Auffassung des Utilitarismus identisch sein muss. Bernard Williams geht sogar soweit, dass er sagt: selbst wenn man den Utilitarismus in einem weiten Sinne versteht, kann es auch der Moral um das menschliche Glück gehen, ohne eben dieser Auffassung.
Hier lassen sich schon erste Züge der Unstimmigkeit über die Weite und Definition des Begriffs des Utilitarismus erkennen, da es eine Vielzahl von verschiedenen Varianten des Utilitarismus gibt.
Man muss sich also fragen, welche Pointe die utilitaristische Denkweise in der Moral hat und inwiefern dieser Standpunkt für das Denken über die Moral so besonders attraktiv ist.

 

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