Religion in der Gesellschaft

Während Gesellschaft diejenige Gestalt menschlichen Zusammenlebens bezeichnet, in welcher alle Leistungen erbracht werden, die für die Erhaltung der Gattung im Naturzusammenhang erforderlich sind, fehlt eine vergleichbare Definition von Religionen. Der Grund liegt darin, dass der Terminus Religion nach kultur- und theologiepolitischen Interessen verwendet wird. Zum Beispiel im 17. Jh. wurde die Religion als Wesenszug des Menschseins gedacht, während im späten 18 Jh. Religion zur Bezeichnung von Defizitzuständen des Menschseins verwendet wurde. Und so gibt es viele andere Begriffserklärungen, deshalb also keine einheitliche. Bevor also über Religion in der Gesellschaft geredet werden kann, müsste also dieser Meinungsstreit über die Bedeutung des Ausdrucks Religion analysiert werden.

Der Begriff Religion als eines Konstituens (entscheidender Bestandteil) des Zusammenlebens

Ebenso wie Gesellschaft wird auch die Religion als kategorialer Begriff eines dauernden Zuges des menschlichen Lebens verwendet. Nach Schleiermacher als Begriff der für die Menschen schlechthin passiven Konstitution der Gegenwart ihres leibhaften Personlebens. Dadurch wird die interaktionelle Selbstbestimmung definiert und eine motivierende und orientierende Daseinsgewissheit gebildet. Diese Gewissheit bestimmt die Richtung unseres Strebens. Sie wird immer aus Erschlossen- und Präsentsein von menschlicher Gegenwart geschöpft. Also: Die Motivations- und Orientierungskraft der Daseinsgewissheit leibhafter Personenbaut sich immer in deren Zusammenleben auf. Sie ist konstitutiv für die Interaktionsfähigkeit von Personen, infolgedessn also die Gesellschaft.
Umgekehrt gilt: Gesellschaft als im Kontext und unter den Bedingungen des Weltgeschehens durch Interaktion Konstituiert, gibt es nicht ohne Religion, denn das Erleben des Zusammenseins wurzelt und entwickelt sich in ihr.
Religion in diesem Sinne ist also nicht identisch mit Gesellschaft, wohl aber wesentlich mit ihr verbunden. Sie ist eine soziale Komponente, deren Ausgestaltung, wie das Zusammensein der Menschen selbst, kontinuierlich unterliegt.