Kritik am Utilitarismus Teil 2

Wir begegnen hier der ersten ganz allgemeinen Schwierigkeit, die für den Utilitarismus charakteristisch ist. Das Glück muss gewisse Bedingungen erfüllen. Die Bedingung, dass es sich beim Glück um ein unbestreitbares Ziel menschlichen Strebens handeln muss, gerät in Konflikt mit den übrigen Bedingungen, die erfüllt sein müssen, wenn das Glück die Funktion erfüllen soll, sie es im Utilitarismus hat. Werte, die nicht komprimierbar mit der Ideologie des Utilitarismus sind, sind als irrational zu disqualifizieren. Somit bestimmt die utilitaistische Rationalität das wahre Glück und alle anderen Arten von Glück, die dem Utilitarismus widersprechen, werden eliminiert.
Was aber nun, wenn Werte, die dem Begriff nach dem Utilitarismus quantifiziert worden sind, auf andere Werte stoßen, die ihm widersprechen, z.B., auf die Forderung, den Patienten in Pflegeheim nicht nur Komfort zu bieten, sondern ihre Würde zu wahren. Entweder muss die Quantifizierung des vertretenen Wertes verweigert werden, oder aber ihm eine quantitative Größe beigelegt werden. So aber ist der Wert fälschbar und kann das Argument verlieren, da der genannte Wert nur zu selten schwer genug ins Gewicht fällt.
Nun müsste der Utilitarist dem nicht zwangsläufig entgegen halten, dass nur solche Dinge einen Wert haben, denen eine Kosten-Nutzen Analyse zugänglich sind. Sie könnten durchaus sagen, dass Geld nicht die allgemeine Währung des Glückes zu sein braucht. Aber sie sind gerade auf eine Ansicht verpflichtet, die impliziert, dass es keine radikal inkommensurablen Werte gibt. Alleine aus diesem Gesichtspunkt heraus lassen sich die vom Utilitarismus gewünschten quantifizierten Werte ableiten, während alle übrigen Werte unter das eben gekennzeichnete Dilemma fallen.
Der Utilitarismus ist zum einen das Wertesystem einer Gesellschaft, in der die ökonomischen Werte den obersten Rang einnehmen und die geldmäßige Quantifizierung die einzig anschaulich einleuchtende Form der uneingeschränkten Kommensurabilität der Werte ist, auf der der Utilitarismus besteht. Diese genannten Kritikpunkte und Schwierigkeiten des Utilitarismus an dem Begriff des Glückes bedeutet aber nicht, dass wir und den Utilitarismus und seine Problemlösefähigkeiten nicht vorstellen können. Im Gegenteil, in manchen Fällen verfahren wir zweifelsfrei wie Utilitaristen. In vielen Situationen wählen wir die Handlungsweise aus, die das größte Glück der größten Zahl mit sich bringt. Aber sobald wir dies einräumen, stoßen wir auf zwei neue Schwierigkeiten. Die eine besteht darin, dass es sich bei der Berechnung der Konsequenzen selber um eine Tätigkeit handelt, die unter unterschiedlichen Umständen einen unterschiedlichen Nutzen hat, und dies mit in Rechnung gestellt wird. Und die andere besteht darin, dass uns das Ergebnis des utilitaristischen Kalküls als eine moralisch verfehlte Antwort erscheinen kann.
Es ist also keine leere Hülle, über die man diskutieren kann.