Kritik am Utilitarismus Teil 1

Nach Williams ist der Utilitarismus per Definition immer auch eine Art des Konsequentialismus. Der Konsequentailismus ist die Lehre, dass der moralische Wert jeder Handlung immer von deren Konsequenzen abhängt und dass nur unter Bezugnahme auf ihre Konsequenzen sowohl Handlungen als auch solche Dinge wie Institutionen, Gesetze und Regeln gerechtfertigt werden müssen, falls sie überhaupt gerechtfertigt werden können. Das höchste Ziel des Utilitarismus das größte Glück der größtmöglichen Zahl ist, und alle Handlungen müssen dem streben. Doch wird Glück hier rein quantitativ berechnet. Wer soll diejenige Instanz aber sein, die höheres Glück von niederem Glück unterscheiden will? Oder bevor man sich überhaupt solch eine Frage stellt, müsste geklärt werden, wie höheres Glück zu unterscheiden ist von niederem – was beurteilt Glück und Werte? .
Der Utilitarismus folgt dem Prinzip des größten Glückes, indem unterschiedliche Ansprüche gegeneinander aufgerechnet werden, und was richtig oder falsches Handelns ist, einzig danach bestimmt wird, welche Handlung, aufs Ganze gesehen, die beste ist. So folgt daraus, dass der oberste Gesichtspunkt des Utilitarismus die Effizienz sein muss. Das Glück ist demnach additiv und berechenbar, das größte Glück der größten Menge ist immer erstrangig und somit wird aus diesem Prinzip die Effizienz geschöpft.
Die Eliminierung von Wertekonflikten ist demnach das unbestreitbare und allgemeine Ziel des moralischen Denkens des Utilitaristen. Es ist also gleichgültig unter zwei verschiedenen Handlungsweisen zu wählen, wenn beide – objektiv gesehen – den selben Beitrag zum allgemeinen Glück beitragen. So folgt daraus, dass der Utilitarist als sein höchstes allgemeine Ziel moralischem Denkens, die Eliminierung von Wertkonflikten sein muss. Sein oberstes Gut ist die Effizienz, und da das Entstehen von Konflikten ein Symptom von Ineffizienz im Wertesystem ist, folgt sachlich betrachtet die Eliminierung dieser Wertekonflikte.
Der Utilitarist verfügt über eine universale Methode Konflikte dierser Art zu lösen oder zu eliminieren, indem er immer jede Handlung am Maßstab und Indikator des größten Glückes der größten Zahl bemisst und somit die größte Effizienz einer jeden Handlung gewinnen will.
Die Anzahl der Konflikte wird so zwar vermindert, wenn man die Anzahl der Ansprüche reduziert, aber rational gesehen ist diese Art der Problemlösung in manchen Fällen vielmehr ein Augenverschließen vor Dingen, die nicht zu übersehen sind.
Geht man nun näher auf die Voraussetzungen des Utilitarismus ein, so häufen sich auch seine Schwierigkeiten. Denn nur dann lassen sich alle beliebigen Ansprüche nach dem Prinzip des größten Glückes gegeneinander verrechnen, wenn das Glück, um das es in jedem Einzelfall geht, irgendwie vergleichbar und additiv ist. Nur wenn man das Glück unterschiedlicher Handlungserfolge miteinander vergleichen und darüber hinaus zu einer Art von allgemeinen Glück addieren könnte, kann der Utilitarismus funktionieren.
Um von keiner leeren Hülle zu sprechen, muss der Begriff des Glückes gefüllt werden. Ist das Glück des einen immer und zwangsläufig auch das selbe Glück des anderen? Nach welchen Werten wird das Glück also gemessen? Müssen erst diejenigen Arten von Glück eliminiert werden, die dem Utilitarismus widersprechen könnten, z.B., Liebe, persönliche Integrität, Spontanität, Freiheit, künstlerische Selbstentfaltung? Der Utilitarismus geht also von einem konsensfähigen und kommensurablen Glücksbegriff und Wertesystem aus. Und hier liegt die unlösbare Hauptschwierigkeit, denn offensichtlich zählen die Menschen zum Inhalt eines glücklichen Lebens Dinge, die zu Widersprüchen führen, wenn man auf die Weise des Utilitarismus über sie zu denken versucht.

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