Jean-Jacques Rousseau

In seinem Hauptwerk „Emile oder über die Erziehung“, beschreibt Jean-Jacques Rousseau seinen

idealen Erziehungsstiel anhand eines imaginären Zöglings namens „Emil“. Er begreift die Kindheit

als eigenständige Lebensphase und beschreibt in seinem Werk einen Erzieher, der sich überlegten

Kenntnisse bedient. Die Kindheit soll von der Erwachsenenstufe abgegrenzt werden und als

eigenständige Entwicklungsstufe verstanden werden.

 

Bevor Kinder erwachsen werden sollen sie ihre sorgenfreie Kindheit voll ausschöpfen. Deshalb

vertritt Rousseau die Erziehung des Menschen am Beispiel der Natur. Die Natur verkörpert für ihn

das Ursprüngliche, Eigentliche, Innere und Wesentliche im Menschen. Im Naturzustand ist der

Mensch einem Tier sehr ähnlich und hat lediglich Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken die er

befriedigen muss. Der Mensch ist gleich und die einzige Berufung des Menschen soll das Leben

sein. Der Mensch ist dabei seiner Ansicht nach im Naturzustand gut und frei das zu tun was er will.

Diese Freiheit kann er jedoch wegen gesellschaftlichen Zwängen nicht lange ausleben. Die

Gesellschaft ist in seinen Augen der Ursprung allen Schlechten und führt zur Entartung des

Menschen. Die einstige Eigenschaft des Gutseins wird also ersetzt durch Korruption, die aus den

Begleiterscheinungen der Kultur entsteht. Das Wachstum der Entwicklung bewirkt die Förderung

der Ungleichheit zwischen Menschen, die Einführung von Besitz und Gesetzen. Aus dem einstigen

guten, freien und gleichen ist ein schlechter, von der Gesellschaft in Ketten gelegter und von

Korruption geleiteter Mensch geworden. Folglich macht erst der unnatürliche Fortschritt den

Menschen unglücklich. Er führt den Begriff „wahre Kultur“ ein, der für ihn in seinem Verständnis

deckungsgleich zu dem der Natur ist. Die Natur, die sich durch das Streben nach Wahrheit und

Tugendhaftigkeit sowie freiwillige Unterordnung unter den Willen der Gesamtheit, auszeichnet.

 

Da seiner Beurteilung nach alles unter dem Menschen verdirbt, setzt das handeln des Erziehers

zwangsläufig eine passive Rolle voraus. Es soll verhindert werden, dass das Kind von einem

Phantom eines Erziehers geleitet wird. Somit soll der Erzieher die Natur des Kindes beachten und

ihr freien Lauf lassen. Die Erziehung würde das Kind zu einem Bürger in der Gesellschaft machen

und es somit vom Naturzustand entfernen. Stattdessen sollen Kinder ihre Kindheit ausleben bevor

sie im Laufe der Zeit erwachsen werden. Ohne die Zustimmung beider, darf man das Verhältnis

zwischen Zögling und Erzieher nicht trennen. Die Eltern sollen geehrt werden, doch zu gehorchen

ist ausschließlich dem Erzieher. Rousseau beschreibt drei Möglichkeiten der Erziehung. Die erste

Möglichkeit der Erziehung ist die Natur. Sie entwickelt Fähigkeiten und Kräfte. Die zweite

Möglichkeit stellen die Mitmenschen dar, die den Umgang der eben genannten Fähigkeiten lehren.

Zuletzt sind es die Dinge, die durch die Erfahrung und die Anschauung erziehen. Aufgabe des

Erziehers ist es diese drei Möglichkeiten im Gleichgewicht zu halten.