FREISCHWINGER/ MARCEL BREUER

Bauhaus-Pädagogik am Beispiel des Freischwingers von Marcel Breuer

Die Aufgabenstellung an die Studenten des Bauhaus war es, Kunstobjekte zu schaffen die sowohl schön als auch zweckmäßig sein sollen. Neben diesen Attributen sollten die Objekte auch preiswert sein. Der Dessauer Stuhl auch „Freischwinger“ genannt, wurde 1927 von Marcel Breuer entwickelt. Breuer besaß zwar nicht das Urheberrecht daran, da Ludwig Mies van der Rohe diese Idee in seinen Modellen bereits früher aufgriff, dennoch ist es ein gutes Beispiel für die Umsetzung der Bauhaus-Pädagogik in die Praxis. Das Neuartige an dem Freischwinger war die Abkehr vom traditionellen Aufbau eines Stuhles. Im Gegensatz zum üblichen Design mit vier Stuhlbeinen besitzt der Freischwinger nur ein gekrümmtes Stahlrohr als Standbein. Es ist mehrmals im rechten Winkel gebogen, sodass am Boden eine U-Form entsteht, die den Sitz und die Lehne trägt. Da bei diesem Modell das hintere Standbein fehlt, hat er was den Sitzkomfort angeht Ähnlichkeiten mit einem Wippstuhl. Das Aussehen und die Form des Stuhles waren für damalige Verhältnisse sehr modern und sind auf dem heutigen Möbelmarkt allgegenwärtig. Der Freischwinger entspricht der Bauhaus-Pädagogik in dem Sinne, dass bei der Planung des Stuhl bewusst sowohl auf Design als auch auf die Funktionalität geachtet wurde. Das Design ist sehr simpel und dennoch innovativ, gleichzeitig müssen keine Abstriche bei der

Funktionalität, also dem Sitzkomfort gemacht werden. Neben den beiden vorher genannten Beispielen spielt bei der Bauhaus-Pädagogik auch die soziale Synthese eine Rolle. Die Produktion des Freischwingers benötigt wenige Rohstoffe, sodass er sich auch industriell herstellen und ist somit für eine breitere Masse zugänglich. Der Grundsatzt des kunstpädagogischen Konzeptes, nämlich Handwerk und Kunst zu vereinen, sind an diesem Werk gut sichtbar.